Ortswechsel als Ausweg: Warum ein Umzug manchmal gelebte Sozialpolitik ist

Heimat soll schützen, nicht festhalten. Ausgehend von Loitz fragt dieser Text, wann ein freiwilliger Ortswechsel nötig wird, wenn Arbeit, Wohnung und Hilfe anderswo erreichbar sind und das Geld zum Gehen fehlt.

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Arbeit muss erreichbar sein
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Arbeit muss erreichbar sein

Die Zahlen aus Loitz zeigen eine enge Ausgangslage. Nach den zugrunde gelegten Daten stehen dort rund 1.712 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze je 10.000 Einwohner zur Verfügung. Das bedeutet: Der örtliche Arbeitsmarkt ist klein. Für Menschen ohne Auto wird daraus schnell eine große Hürde.

Arbeit kann zwar in anderen Orten vorhanden sein. Aber wenn der Weg dorthin nicht machbar ist, bleibt sie für diesen Menschen unerreichbar. Eine Stelle, die man nicht erreichen kann, ist keine echte Stelle. Auf dem Papier gibt es sie. Im Alltag hilft sie nicht.

Deshalb reicht es nicht, allgemein auf Arbeit in der Region zu verweisen. Entscheidend ist, ob die Arbeit für den konkreten Menschen wirklich erreichbar ist. Gibt es eine Busverbindung? Passen die Zeiten zu Schichtbeginn und Schichtende? Ist der Weg täglich zumutbar? Gibt es Alternativen, wenn ein Bus ausfällt? Ist der Arbeitsort ohne Auto realistisch erreichbar?

Zielorte wie Greifswald, Anklam, Neubrandenburg, Schwerin oder Pasewalk sind keine Orte ohne Probleme. Auch dort gibt es Druck, Absagen, Probezeiten, niedrige Löhne und schwierige Tage. Aber sie bieten auf dieselbe Einwohnerzahl gerechnet mehr Arbeitsplätze, mehr Betriebe und mehr mögliche Einstiege.

Das kann entscheidend sein für Pflege, Lager, Küche, Reinigung, Handwerk, Verwaltung oder einfache Tätigkeiten. Arbeit ist mehr als ein Vertrag. Arbeit braucht einen erreichbaren Ort, einen passenden Weg dorthin, eine Wohnung in der Nähe und einen Alltag, der nicht sofort wieder scheitert.

Deshalb darf staatliche Hilfe nicht nur fragen, ob irgendwo eine Stelle vorhanden ist. Sie muss klären, ob diese Stelle für diesen Menschen erreichbar ist.

Eine gut begründete Aussicht auf Arbeit bedeutet dabei nicht, dass der Erfolg sicher ist. Sicherheit gibt es nicht. Aber es kann einen klaren Unterschied geben zwischen einem Ort mit wenigen erreichbaren Stellen und einem Ort mit mehr Betrieben, mehr Einstiegsmöglichkeiten und kürzeren Wegen. Genau dieser Unterschied ist für die Klärung im Einzelfall wichtig.


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Anselm Bonies

Schöpfer und Ordner hinter peenethal.com. Anselm Bonies wirkt konsequent gegen die „digitale Obdachlosigkeit“ und für die Rückgewinnung souveräner Kommunikationsräume. In seinem Skriptorium in Loitz schafft er durch die Synthese von Wort, Bild und Konzept digitale Beheimatung und tragfähige Orientierung statt flüchtiger Signale in der Aufmerksamkeitsflut.

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